Pilzgeplauder Feb'26 – Deep Dive & Heroic Dose

Hallo in die Runde. 

vom heutigen Pilzgeplauder mal ein Erfahrungsbericht der anderen Art.
Wir hatten eine feine Runde, in der Marco und ich (Mela) Einblicke aus erster und zweiter Hand zu Erfahrungen im Deep Dive / High Dose gegeben haben. Um diesen Einblick möglichst vielfältig zu gestalten, lag die Redezeit diesmal mehr bei uns, aber wir hatten auch tolle Fragen aus der Runde wieder. Weiter unten etwas mehr dazu.

Also: Warum dieses Thema, wo doch am häufigsten Microdosing praktiziert wird? 
Der Forschung und Aufklärung wegen, also ganz nach der Ausrichtung des Instituts! Zumal wir beide im privaten Rahmen erste Erfahrungen als Raumhaltende gemacht haben für Erfahrungsfelder, die tiefer gehen, als das, was sich die meisten in Eigenregie zutrauen. Und wir haben bisher gelernt: wir haben noch viel Lernkurve vor uns!

Mid-Dose – High-Dose?

Bislang bewegen wir uns (oder Veranstaltungen, die durch/über das AMI angeboten werden) in einem Erfahrungsraum zwischen Low- bis Mid-Dose – der Bereich, wo viele die eigene Essenz spüren, sich frei machen können von Konditionierungen, Frieden, Verbindung und Kreativität erleben. Einfach sein.
Der Deep Dive Bereich kann hier weitaus intensiver werden: die körperliche Entspannung kann zu motorischen Ausfällen führen, Verbundenheit zu Verlust der eigenen Körperwahrnehmung, das Gefühl von Zeitlosigkeit zu endlosen Schleifen der Wahrnehmung bis zurück zur kosmischen Singularität, die Angst einflößend sein können. Die sanfte Ich-Stärkung kann zu einem grenzüberschreitenden Ego werden und gesunde Abgrenzung kann bei einem Trigger oder einer Grenzverletzung dann den Fight-Modus oder zumindest enorme Wut aktivieren – und das alles, während der Mensch unter Substanzeinfluss eigentlich das eigene Bewusstsein die meiste Zeit als „online“ erlebt, also mit einer gewissen (oft irreführenden) mentalen Klarheit. 

Die Grenzen zwischen Mid-Dose zu High-Dose können hier durchaus fließend sein, eine halbe Tasse Tee schon ausschlaggebend. Und die Zustände in einem Deep Dive können für „Trippende“ wie auch Raumhaltende herausfordernd sein – unter anderem, da sowohl von innen als auch von außen nicht gut sichtbar ist, wie „tief“ jemand schon drin ist (meist wird es unterschätzt!).
Sich darüber bewusst zu sein und auszutauschen scheint uns insbesondere als AMI wichtig – sowohl für Menschen die einladen, als auch für diejenigen, die sich vertrauensvoll in eine Zeremonie oder andere Runde begeben, in dem die Tassen kreisen. Zumal Marco und ich jetzt die ersten Schritte in dieses Terrain gewagt haben: wir haben intensive Prozesse als Raumhaltende nicht nur begleitet sondern im Zuge dessen auch selbst durcharbeiten müssen. Wir haben nun noch mehr Respekt vor dem Meisterwesen.

Lernen von anderen Kulturpraktiken

Wir hatten auch tolle spannende Fragen und Anregungen! So wurde bestätigt, dass solche psychotisch anmutenden Phänomene, wie oben beschreiben, auch in zB Vipassana-Retreats hervortreten können. (Hier fehlt mir der direkte eigene Vergleich, ich bin mir jedoch sicher, dass wir Pilzköpfe hier noch viel aus anderen Kulturen und etablierten Praktiken lernen können.) Es gab Übereinstimmung, dass hierfür ein einfacher Fragebogen, in dem eine psychische Erkrankung leicht verschwiegen werden kann, nicht ausreichend ist. Im Institut arbeiten wir schon mit psychologisch geschulten Menschen daran, etwas ausgefeiltere Bögen zu entwerfen, die erlauben, kritische Ausgangsbedingungen für eine Zeremonie zu erkennen.

Wir hoffen hier auch auf Rückmeldungen von Euch, in unserer Community sind sicherlich noch einige Menschen, die dies mit Wissen und Erfahrung immens bereichern können! Melde dich gern – auch wenn du selbst an diesem Pilzgeplauder nicht dabei warst.

Geliebte Wut

Ein weiterer Aspekt, der erst in kleiner Runde am Ende noch mal voll ausgebreitet wurde, und uns alle sehr berührt hat, war das Thema Wut. Denn sie kann durchaus schon eine „Nebenwirkung“ bei längerer Einnahme beim Microdosing sein. Das Phänomen ist auch bekannt unter Menschen, die mit dem vegetativen Nervensystem arbeiten. Und dort ist man sich einig, dass es Zeit braucht, um die Kapazität zu haben, seine Wut zu spüren, zu erlauben und dann einen Rahmen, der dann einen Release auch halten kann ohne Urteil. Der Fliegenpilz ist hier ein Katalysator, weil er das Ich sanft stärkt und die eigenen Grenzen (und damit auch Grenzüberschreitungen!) etwas zügiger sichtbar macht. Die Wut ist da. Im Körper. Oft von Kindesbeinen an (die zB still unter der Stuhlbank sitzen mussten, auch wenn der Körper was ganz anderes brauchte). Aber wir sind ganz gut darin, uns „zivilisiert“ zu verhalten … und dürfen den Umgang mit Wut endlich lernen! Doch dafür brauchen wir mehr, als die allabendliche oder gelegentlich bewusstseinssprengende Erfahrung mit unserem heimischen Entheogen. Wobei er uns jedoch gut via Microdosing unterstützen kann, ist die vielleicht wichtigste Zutat für mehr Kapazität im Nervensystem: Geduld!

Zeremonie im Kreis gelebter Gemeinschaft

Ein letzter Aspekt, den ich erwähnen möchte, war der der Gemeinschaft. In meiner Idealvorstellung früherer Zeiten und in indigener Kultur sind Zeremonien eingebettet. Alle kennen sich von Klein auf, man kennt schon die Geschichte der Eltern und der Ahnen bis in viele Generationen hinein und hat damit einen intimeren Bezug zueinander, was Tiefe und Sicherheit in intensiven rituellen Kontexten bedeutet. Auch, weil die Integrationszeit zusammen und im Alltag verbracht wird. Das sind ganz andere Rahmenbedingungen, in denen eine tiefe Erfahrung geteilt und verarbeitet werden kann, als wie wir „modernen“ Menschen heutzutage für ein Wochenende (oder sei's auch für 1/2 Jahr) Zeremonie verstehen. *
In einem Chat-Austausch danach sinnierte ich mit jemand zusammen noch weiter und ich glaube, dass das die große Medizin sein könnte, wenn wir dem Fliegenpilz erlauben, seine Arbeit zu tun: In Klans zusammenfinden und leben, so dass Zeremonien wieder inmitten der Gemeinschaft stehen und wir in der Reibung daran und der Poesie darin in die Heilung kommen.

Wie positioniert sich das Institut zum Thema High-Dose?

Ersteinmal finden wir den Microdosing- und Low-Mid-Dose-Bereich so fruchtbar und oft auch intensiv, dass es weniger persönlicher Ruf sondern eher Forschungsinteresse ist, sich mit Deep Dive auseinanderzusetzen – und: eben weil Menschen mit dem Thema auf uns als Institut zukommen.

An dieser Stelle mag ich noch einen Aspekt erwähnen, der im Talk keinen Patz fand: 
Eine High-Dose-Erfahrung (oder gar mehrere hintereinander) ist vielleicht auch unserem westlichen Mindset von „schneller-weiter“ (und „viel hilft viel“) geschuldet, ist aber ursprünglich in dieser Form gar nicht gelebte Tradition (man sieht das zum Beispiel in Südamerika). 
Nicht nur ist dort besagte Einbettung in den Klan/Tribe noch meist intakt, sondern diese Menschen bringen eine andere Konstitution mit und noch (hoffentlich!) eine andere Art aufzuwachsen.
Es ist aus der Perspektive des vegetativen Nervensystems vielleicht auch gar nicht so sinnvoll, das Bewusstsein so weit über den eigenen Tellerrand/Horizont zu schieben, gerade wenn die Kapazitäten für die akute Erfahrung oder die Integration nicht ausreichen? Ein paar Impulse hierzu findest du auch auf unserem Insta: Hier und hier.

Aus all diesen Aspekten folgt: das AMI sieht sich vorerst nicht als Anbieter für High-Dose-Erfahrungen, auch nicht in Partnerveranstaltungen.
Wohl freuen wir uns aber über alle, die sich hierzu austauschen möchten – sei es, weil es dich ruft, tief zu tauchen und du mit uns ein paar Sachen besprechen möchtest – oder sei es, weil du deine eigenen Erlebnisse, Erfahrung und Perspektive dem Wissenspool im Institut beifügen möchtest.
Schreib uns gerne! 

mit Myzel im Herzen ~ Mela
mela@amanita-muscaria-institut.org


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*P.S.: Das war mit ein Grund, warum ich und mein Partner Raphael unsere Kurse und Zeremonien als Weg anbieten … so können wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Das ist kein echter Ersatz für einen Klan, aber immerhin eine Möglichkeit Verbindung zu einander aufzubauen. Und tatsächlich entstanden hier auch schon herzliche Freundschaften über Zeit und Raum hinweg. Wenn dies dein Interesse weckt, komm gerne auf mich zu unter mela@amanita-muscaria-institut.org

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